CD Review: BLUES REFLEX (Deutsche/German)
Vögel gibt's auf dieser Welt. Und der der Bob Brozman ist ein ganz
besonderer! Blues-Fanatiker sowieso, aber er designt auch Instrumente,
verschenkt hier und da auch mal eines, ist Sammler wie Händler und ganz
nebenbei auch noch Professor an einer Universität in Sydney. Wundert's
einen da, dass er mit knapp über 50 in Form von "Blues Reflex" sein 30.
Album vorlegt? Kaum. Rein akustisch ist es gehalten und Bob legt Wert
darauf, dass kein Instrument mit einem Tonabnehmer versehen war. Sprich:
Alles per Mikrofon aufgenommen. Da bekommt man natürlich einen ebenso
authentischen wie beeindruckenden Klang hin und bei den National Gitarren
macht das Zuhören richtig Spaß. Als säße man mit dem Typ zusammen.
Bei drei Songs ist ein Drummer dabei ansonsten hat Bob Brozman alles
allein eingespielt. Richtig Laune macht diese Session. Als wäre der Kerl
durch seinen Keller gehüpft und sich mal hier mal da ein Instrument
geschnappt und seine Einflüsse vermischt. Rhythmisch und groovig, mit
Slidegitarren verziert geht's mit Dead Cat On The Line schwungvoll
los. Der vage an den großen Deltabluesmusiker Charley Patton angelehnte
Rattlesnake Blues erinnert in seiner sprunghaften, unterhaltsamen
Art auch an die Entertainerqualitäten dieses einflussreichen Musikers.
Kein Problem für Bob, da eine Hawaii-Gitarre zwischendurch aufheulen zu
lassen. Klasse. Diese unverkrampfte Art des Vortrags erinnert mich auch
ein bisschen an die Norweger von JOLLY
JUMPER & BIG MOE.
Vor 20 Jahren hat Bob One Steady Roll schon mal aufgenommen,
aber diese Version ist ein kleines Meisterwerk. Mit afrikanischen
Einflüssen versehen und quasi als Mischung aus Shuffle und Walzer
präsentiert. Irgendwie meint man auch osteuropäische Zutaten zu hören.
Tja, der Blues ist halt eine Weltmusik. Tief in den Deltablues taucht
Bob bei Death Come Creepin', erweist mit diesem ursprünglichen Stil
Tommy Johnson die Ehre und mancher Southern-Rocker wird sich an das
Mississippi Kid auf LYNYRD
SKYNYRDs erstem Album erinnern.
Poor Me stammt dann tatsächlich von Charley Patton und wird nahe
an der Vorlage gehalten, nur dass Bob diverse Saiteninstrumente
unterbringt. Hat natürlich große Ähnlichkeit zu You Gotta Move von
Fred McDowell. Skip James' Cypress Grove Blues ist der nächste
Shuffle-Song und zeigt, auch in diesem Arrangement, was die Typen früher
schon alles drauf hatten. Bei Bob werden da natürlich noch ein paar
Grenzen ausgelotet... Ungeheuer fingerfertig und im Wechsel mit
Slide-Einlagen, kommt der etwas wilde Delta-Little Tough Guy Blues
- mit Referenzen an Robert
Johnson. Weil sich Herr Brozman überall auf der Welt rumtreibt, ist
ihm auch Neu Guinea nicht fremd. Für den New Guinea Blues hat er
gleich fünf Gitarren eingespielt und sich dabei den Picking-Style der
dortigen Gegend bedient, der sich gar nicht weit vom ursprünglichen
Deltablues bewegt.
Einen "protest song without words", wie It's Mercy We Needy,
muss man auch erst mal hinkriegen. Was immer man in diesen langsamen
Slide-Blues hineininterpretiert – für gespannte Aufmerksamkeit sorgt er
allemal. Der Mean World Blues ist als Homage an Tommy Johnson,
einen der frühesten und traditionellsten Deltablues-Musiker, gedacht. Ob
allerdings der Canned Heat Blues – als dessen Remake dieser Song
fungiert – wirklich von Tommy Johnson, und nicht doch von Sloppy Henry
ist, darüber kann man sich streiten. Ein cooler Blues zwischen Ska und
Jump bleibt es trotzdem. Gemächlich geht es bei More Room At The
Edge zu. Bob erzeugt in den Zwischenräumen dieses Countryblues wieder
jede Menge außergewöhnliche Töne mit seinen diversen Gitarren, die hin und
wieder direkt asiatisch klingen. Klingt etwas nach Jam-Session –
inspiriert aber ziellos. "A lullaby for tired working people
everywhere" nennt Bob den Workman Song und sagt damit schon viel
darüber. Plätschert ruhig dahin ohne beliebig zu werden und lässt einen
versonnen aus diesem Album heraus driften.
Wer sich mit den frühen Bluessachen gern beschäftigt und mal eine neue
Herangehensweise braucht, sollte ein Vorlesung beim Professor Brozman
besuchen.
Bob Brozman - King of the National Guitar
Bob Brozman Press Kit Links:
Bob's Biography
Bob's Discography
Print Quality Photos
World Press Quotes
Reviews and Interviews
|